Presse 2011


Text von Claudia Schmid

Zwei junge Ötmärlerinnen legten 1986 den Grundstein für die Theatergruppe St.Otmar.
Bernadette Weibel und Rosa Maria Ventre waren knapp über zwanzi Jahre alt, als sie
mit dem Stück "Der böse Geist Lumpazivagabundus" von Johann Nestroy die ersten
Gehversuche auf den Bühnenbrettern wagten.

Verwandte eingespannt

Die beiden theaterbegeisterten jungen Frauen spannten für ihr Vorhaben Verwandte und Bekannte ein.
"Die Mutter von Rosa Maria nähte Kostüme. Ich übernahm die administrativen Arbeiten", erinnert sich
Clara Weibel an die Anfänge des Projektes, das ihre Tochter und deren Freundin vor 25 Jahren
ins Leben riefen. Die Aufgabe als Administratorin führt sie auch heute noch mit Begeisterung aus.
"Die Theatergruppe macht nach wie vor viel Freude", begründet Claire Weibel ihr Engagement.

Die beiden Gründerinnen verliessen im Laufe der Jahre das Ensemble. Ihr Projekt aber blieb
bestehen, entwickelte sich munter weiter und feiert nun ein Vierteljahrhundert seines Bestehens.
Ungefähr acht der vierzig Theaterleute sind seit der Gründung mit dabei. Der Rest stiess später hinzu
und sorgte dafür, dass Jahr für Jahr eine neue Produktion aufgeführt wird.

Als Wanderbühne unterwegs

Über eine lange Zeit war die Theatergruppe St.Otmar als Wanderbühne unterwegs und spielte an
wechselnden Orten Produktionen aus den Sparten Krimi, Komödie, Klassiker und Märchen.
Ab 1996 suchte sie sich für jedes Bühnenstück einen Aufführungsort, der ihr während der gesamten
Spieldauer zur Verfügung stand. Einmal war es der Gewölbekeller des Stadthauses der Ortsbürgergemeinde,
die Konservenfabrik, die Militärkantine oder das Städtische Lagerhaus, ein anderes Mal das
Fabrikationsgebäude der Maestrani oder die Hörler-Halle in Abtwil.
Seit 2006 geniesst das Laienensemble Gastrecht in der Curlinghalle St. Gallen.
Zurzeit steht es dort mit der Komödie "Hokuspokus" von Curt Götz auf der Bühne.
Das Stück handelt von einer Frau namens Agda Kjerulf. Sie ist aufgrund erdrückender Indizien angeklagt,
ihren Ehemann - einen erfolglosen Maler - bei einem gemeinsamen Bootsausflug ermordet zu haben.
Nachdem ihr Anwalt sein Mandat niederlegte, nimmt der Prozess mit ihrem neuen Verteidiger ungeahnte Wendungen.

Grosse Portion Idealismus

Das Theaterensemble, das auf und hinter der Bühne agiert, besteht aus Personen jeglichen Alters. Sie haben
sich dem Theater mit Leib und Seele verschriben. "Bei uns zählt jedes Talent und wird auch eingesetzt;
sei es beim Bühnenbau, bei der Raumausstattung, bei der Technik, bei den Kostümen und der Maske,
bei der Werbung und Grafik, bei der Gastronomie, beim Transport und selbstverständlich beim Agieren
auf der Bühne", sagt Claire Weibel. Hinter dem Erarbeiten und der Aufführung der Theaterstücke
stecke viel Idealismus. Das gesellige Beisammensein habe aber unter der Truppe einen ebenso grossen
Stellenwert wie das Einstudieren einer Produktion.

Vieles haben die Theaterleute im letzten Vierteljahrhundert mit ihren Produktionen erlebt.
Welches Ereignis hat sich Claire Weibel besonders eingeprägt? Spontan kommt ihr der Besuch eines
Mitarbeiters des Schweizer Fernsehens in den Sinn. Er war an einem Beitrag über die Theatergruppe
St.Otmar interessiert, wollte sich aber zuerst eine Aufführung anschauen. "Just an diesem Abend
ging alles schief. Der Fernsehmann ward nie mehr gesehen", erzählt Claire Weibel.

Der verpatzte TV-Auftritt

Noch heute lache man innerhalb des Ensembles über die verpatzte Möglichkeit eines Fernsehauftritts.
Der Spielfreude der Theatergruppe St.Otmar hat das Ereignis bis heute keinen Abbruch getan.
Das Ensemble steht mit dem Stück "Hokuspokus" noch bis am 24. September in der Curlinghalle auf der Bühne.